Zinsdeckungsgrad – was ist das?

Zinsdeckungsgrad bei Unternehmen und Staaten

In Verbindung mit den Zinsausgaben bringt man den Zinsdeckungsgrad, auch Zinslastquote genannt. Hierbei handelt es sich um Kennziffern, die das Verhältnis einer Zinsaufwendung eines Schuldners zu seinen Einnahmen wiedergibt. Es kommt hierbei allerdings auf die Art des Schuldners an. Handelt es sich um ein Unternehmen, dann hat man es beim Zinsdeckungsgrad mit einer betriebswirtschaftlichen Kennzahl zu tun. Diese gibt das Verhältnis der Zinsaufwendungen zum Cashflow oder Jahresüberschuss des Schuldners wieder. Doch auch bei Staaten gibt es die Zinsausgaben. Diese werden ins Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (auch als Bruttosozialprodukt bekannt), zu den Staatsausgaben oder den Exporterlösen gesetzt.

Allgemeine Informationen zur Zinslastquote

Durch die Zinslastquote, bei der es sich sozusagen um eine Schuldenkennzahl handelt, wird die Schuldentragfähigkeit eines Schuldners bewertet. Je höher der Zinsdeckungsgrad desto niedriger das Kreditrisiko. So kann ein Gläubiger sein Kreditrisiko sehr viel besser einschätzen. Alle Zinsaufwendungen zählen mit zur Quote, wenn sie aus zinstragenden Verbindlichkeiten resultieren. Nicht dazu gehören unter anderem Bankgebühren oder die Zinsen für Pensionsrückstellungen. Bei einem höheren Zinsdeckungsgrad können auch die Zinsaufwendungen leichter mit dem operativen Geschäft bedient werden. Erhöhen sich die Schulden, dann verschlechtert sich auch der Zinsdeckungsgrad. Ebenfalls dann, wenn es bei gleichbleibenden Schulden zu einer nicht steuerbaren Erhöhung des Zinsniveaus kommt. Ergänzt werden kann die Zinslastquote auch durch den Schuldendienstdeckungsgrad, der neben den Zinsen die Tilgungen für Kredite einbezieht.

Zinslastquote in Bezug auf die Staatsverschuldung

Die Staatsverschuldung ist in Bezug auf dieses Thema immer wieder im Gespräch, denn hierbei spielen die Zinsausgaben eine zentrale Rolle. Die Ausgaben des öffentlichen Gesamthaushalts gehören zur budgetären Zinslastquote, die Gegenüberstellung der Zinsaufwendungen mit dem Bruttoinlandsprodukt ergibt die gesamtwirtschaftliche Zinslastquote. Überschreitet der Zins- und Tilgungsdienst eines Staates 20 bis 25 Prozent der dauerhaft erzielbaren Exporterlöse oder erreicht dieser mehr als 20 Prozent der Gesamtausgaben, dann kann es für den jeweiligen Staat kritisch werden. Wird diese kritische Grenze auf Dauer überschritten, dann spricht man bereits von einer Staatskrise. Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren mit seiner Zinslastquote im vertretbaren Rahmen befunden. Im Jahr 2012 lagen die Zinsausgaben der Bundesrepublik beispielsweise bei 38 Milliarden Euro bei 309 Milliarden Euro Gesamtausgaben. Die Zinslastquote beträgt dementsprechend 12,3 Prozent der Gesamtausgaben.

Zinsdeckungsgrad bei Unternehmen

Der Zinsaufwand an sich ist für eigenkapitalstarke Unternehmen sehr viel geringer als für diejenigen mit weniger Eigenkapital. Es muss deshalb eigentlich nicht extra darauf hingewiesen werden, welche dieser beiden Kategorien mehr unter einem höheren Zinsniveau zu leiden hat. Hierbei spricht man unter anderem auch vom Leverage Effekt. Unter dem Zinsdeckungsgrad bei Unternehmen versteht man den EBIT geteilt durch die Zinsaufwendungen. Was genau ist denn der EBIT? Hierbei handelt es sich um den englischen Begriff „earnings before interest and taxes“, also Gewinn vor Zinsen und Steuern. Auch hierbei haben wir es mit einer betriebswirtschaftlichen Kennzahl zu tun, die Informationen über den Gewinn eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum preisgibt.

Kritische Schuldensituation im Unternehmen

Liegt der Zinsdeckungsgrad eines Unternehmens bei weniger als 1, dann kann das Unternehmen die Zinszahlungen für Kredite nicht aus dem operativen Geschäft tätigen. Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen mit einer hohen Zinslastquote außerdem niedrigere Investitionsquoten aufweisen. Das hat damit zu tun, dass der Schuldendienst einen starken Einfluss auf die Investitionstätigkeit ausübt. Sobald der Schuldendienst 50 Prozent des Cashflows übersteigt, muss sich das Unternehmen, wenn dies ein dauerhafter Zustand bleibt, eingestehen, sich in einer Krise zu befinden. Die Schuldensituation muss dann erst wieder unter Kontrolle gebracht werden, bevor sich die kritische Lage des Unternehmens entspannt. Nach Ermittlungen der KfW Bankengruppe haben die deutschen Unternehmen im Vergleich zu anderen innerhalb von Europa übrigens eine sehr hohe Zinslastquote. Hierbei kommt zum Ausdruck, dass der relative Eigenkapitalmangel hierzulande ebenfalls höher liegt. Sowohl für Unternehmen als auch Staaten spielt der Zinsdeckungsgrad jedenfalls eine große Rolle.